Leipziger Offenheit öffnet gesellschaftlichen Resonanzraum

Rund 170 Führungskräfte folgen Einladung der Stadt Leipzig und Common Purpose

Wenn ein Professor vor rund 170 Zuhörern das Phänomen Resonanz am Beispiel von Klavier und Geige erklärt, so vermutet man eine Musik-Lehrveranstaltung mit Studenten. Tatsächlich waren die Zuhörer Führungskräfte aus allen Bereichen der Stadtgesellschaft und Wirtschaft, der Hörsaal das Neue Rathaus und der Professor der bekannte Soziologe Hartmut Rosa, der nicht alleine vortrug, sondern den gegenseitigen Dialog mit den Führungskräften suchte zum Thema: Leipziger Offenheit.

Gemeinsam mit Oberbürgermeister Burkhard Jung, vielen renommierten Experten und Gästen wurde am 10. April gemeinsam über das brennende Thema beraten: Wie gespalten ist die Leipziger Stadtgesellschaft? Woran machen wir Spaltung fest? An welchen Stellschrauben kann jeder einzelne aktiv werden?

Initiiert wurde die Tagesveranstaltung von Common Purpose Leipzig. Seit über 10 Jahren ist es Ziel der gemeinnützigen Initiative mit Ursprung in England zivilgesellschaftliche Kraft zu stärken. Genauer gesagt, Führungskräfte darin weiterzubilden und zu stärken, sich jenseits des eigenen Bereichs mit gesellschaftlichen Herausforderungen auseinanderzusetzen und diese mit anzupacken - zum Wohle der Stadt wie der eigenen Organisation.

Einer solchen Herausforderung stellten sich zu Beginn der letzten Woche Führungskräfte aus der Region: Wie kann Leipzig zum Resonanz-Ort werden, in dem sich die Menschen mit ihrer Stadt „anverwandeln“ und ein Gefühl von „Meine Stadt“ stark wird. „25 % der Leipziger treten eher in Distanz zu ihrer Stadt“ führte der Leipziger Oberbürgermeister aus, „oder weisen sie gar zurück mit Antworten wie: Das ich nicht meine Stadt oder Die da oben!“. Laut Hartmut Rosa muss Leipzig ein Resonanzort werden, die Menschen involvieren, bei dem was passiert oder passieren soll. Hören und Zuhören, in Resonanz treten – darauf kommt es an. Offen und neugierig sein, was sich aus dieser Resonanz entwickeln kann. Der Grund, dass wir uns in Sachen Resonanz schwer tun und „miteinander in Schwingung gehen“ sind unter anderem auseinander driftende Lebenswirklichkeiten. „Lebenswirklichkeiten anderer Schichten werden gar nicht mehr gesehen oder gehört!“, so OB Jung. Vielmehr lebt jeder in seiner „Blase“, mit seiner Sprache, auf seiner Wellenlänge.

Rosas Forderung: Mehr Resonanzräume schaffen, dass sich Milieus begegnen können. „Will man Spaltung überwinden, so muss man Resonanzräume schaffen!“ Diesem Anliegen folgt Common Purpose seit über zehn Jahren in Leipzig mit dem Angebot in fremde Lebens- und Arbeitsmilieus einzutauchen und vor Ort zu erkunden, wie kann man seine jeweilige berufliche Kompetenz auch zum Wohl der Gemeinschaft einbringen kann; immer verbunden mit der Frage: Wie „ticken“ andere Milieus. So war auch der Einstieg in die erste Dialogveranstaltung Leipziger Offenheit verbunden mit der Einladung zu sogenannten Besuchen vor Ort zu unterschiedlichen Spaltungsthemen: ein Frühstück mit obdachlosen Männern zum Thema Armut, ein Blick auf die Zahlen im Amt für Statistik und Wahlen mit der Frage, was ist die Realität hinter der gefühlten Wirklichkeit oder eine Hospitation zur Nullten Stunde im realen Unterricht der 94. Oberschule in Grünau mit anschließenden Gespräch zu Schichten- und Bildungsundurchlässigkeit.

Am Nachmittag der Leipziger Offenheit standen auf Wunsch der Stadt Leipzig konkrete Fragen zu den Spaltungsthemen Armut, Rassismus, Schichten und Bildungsungleichheiten und Vertrauensverlust in Demokratie im Mittelpunkt. In vier Workshops setzte sich die heterogene Gruppe der Führungskräfte mit den Themen auseinander, unterstützt von Experten der jeweiligen Fachgebiete, wie unter anderem Dr. Karamba Diaby, erster Bundestagsabgeordneter mit afrikanischen Wurzeln, Prof. Ulrich Klemm, Geschäftsführer des Sächsischen Volkshochschulverbandes, Dr. Konrad Hummel, Geschäftsführer einer Stadtentwicklungsgesellschaft in Mannheim und die HTWK-Professorin für Soziale Arbeit, Heike Förster.

Und was bleibt nach so einem vollen Tag und viel miteinander sprechen und austauschen? „Viele der Führungskräfte wollen eigene Ressourcen, das heißt persönliche, wie auch die ihrer Organisation für mehr Resonanzräume in Leipzig einsetzen“, so Common Purpose Programmdirektorin Eva Theis. Gemeinsam mit der Stiftung Bürger für Leipzig begleitet und moderiert Common Purpose diese Kommittent – mit der Hoffnung auf viel Resonanz und mehr Offenheit für Herausforderungen, die nur gemeinsam bewältigt werden können. Einen internationalen Ausblick und ein Plädoyer für mehr kulturelle Intelligenz und mehr Entspanntheit im Umgang mit den festgeschriebenen eigenen Werten gab zum Schluss der Leipziger Offenheit die aus London angereiste Common Purpose Gründerin, Julia Middleton.

Internet: www.commonpurpose.de 

top

Pressemitteilungen

Na endlich: Globus sichert Alten Leipziger Bahnhof

Allianz für Dresden hatte beim Denkmalamt nachgehakt - jetzt baut Handelsriese Schutzdach

Sportsgeist für alle

Special Olympics starten erstmals in Zwickau

Direktkandidaten des Wahlkreises Dresden II/Bautzen II stellen sich vor

Sechs Politiker stehen ihren Wählerinnen und Wählern Rede und Antwort

Kontakt zu MEDIENKONTOR aufnehmen