Statt Riesenmarkt Stadtanschluss für Pieschen!

21. February 2017, Allianz für Dresden

Leipziger Vorstadt bietet Chance für Lückenschluss - Globus-Riesenflächenkonzept passt in keine Innenstadt

Alternative Planungen für den Alten Leipziger Bahnhof: Der Pirnaer Architekt sieht eine Mischung aus Wohnen im hinteren ehemaligen Gleisbereich, Büros und Geschäften im vorderen Bereich vor. Grafik: Jörg Möser / Architektengemeinschaft Mild und Möser Pirna.

Wie jüngsten Medienberichten zu entnehmen ist, hält die Globus SB-Warenhaus Holding unverdrossen an ihren Plänen eines riesigen Einkaufsareals mit 12.000 m2 Verkaufsfläche und über 1.000 Parkplätzen am Alten Leipziger Bahnhof fest. Städtebauexperten, Stadt- und Verkehrsplaner sind sich gleichwohl weiterhin einig: Das Vorhaben verträgt sich überhaupt nicht mit einer durchdachten und gesunden Stadtentwicklung. Dabei könnte das Areal mit einer gemischten Struktur aus kleinteiligen Geschäften, Künstlerateliers, einem Bahnhofs-Kulturcafé, Büronutzung und Wohnungen, geöffneten Bahnbögen sowie einem Radweg auf der historischen Fernbahntrasse ganz elegant zum Treffpunkt für ein neues Stadtquartier Leipziger Vorstadt werden und gleichzeitig Pieschen an die Innenstadt anschließen. Erste Pläne dafür haben bereits zwei Architekten unabhängig voneinander vorgelegt. Wenn Globus seinen Flächenanspruch auf ein stadtverträgliches Maß von rund 4.000 m2 Verkaufsfläche zurechtstutzt, dann, so die Allianz für Dresden, ist gegen eine Ansiedlung andernorts nichts einzuwenden. Das bisherige Riesenflächenkonzept passt jedenfalls in keine Stadtlage. Stadt und Stadtrat sind gut beraten, hier mit Augenmaß zu handeln.

„In einem kleinen Park mit Blick auf den Bahnhof Neustadt gehen Familien spazieren, Kinder toben sich auf einem Spielplatz aus, Rollerblader und Radfahrer sausen auf einem Radweg, der der ersten deutschen Fernlinienbahnlinie folgt, und Kulturinteressierte informieren sich am Veranstaltungskalender des Alten Leipziger Bahnhofs über die nächsten Highlights im historischen Gebäude, das frisch renoviert mitten in Dresdens neuem Wohn- und Geschäftsquartier liegt.“ Mit dieser Vision wirbt die Allianz für Dresden bereits seit Februar 2014 für eine alternative Nutzung des Areals rund um den Alten Leipziger Bahnhof. „Das Gelände gleich hinter dem Bahnhof Neustadt hat etwas Besseres verdient als einen weiteren riesigen Shopping-Tempel mit einer Parkplatzwüste“, bekräftigt Uwe Sochor vom Unternehmerverband Pieschen und Mitglied in der Allianz für Dresden. „Zudem wäre es ein völlig falsches Signal für den Rest der Leipziger Vorstadt, den die Stadt zu einem gemischten Stadtteil aus Kultur und Wohnen sowie Gewerbe entwickeln will. Mit Globus in der geplanten Form würde kein Investor mehr die in der Stadt so dringend nötigen Wohnungen zwischen Leipziger Straße und der kaum genutzten Nebenstrecke der Bahn bauen.“

Überhaupt die Bahntrasse: Wiederholt wird behauptet, Wohnbebauung entlang der Hochgleise wäre überhaupt nicht möglich. Dabei handelt es sich bei den betreffenden Bahngleisen zwischen dem Abzweig vor dem Bahnhof Neustadt an der Eisenbahnstraße und dem Haltepunkt Pieschen lediglich um eine Ausweichstrecke, auf der maximal ein Güterzug pro Tag verkehrt. Anwohner der Erfurter Straße berichten, dass Züge sehr selten zu hören sind. Der ehemalige Pieschener Güterbahnhof an der Gehestraße wurde zudem aufgelöst und wird nun mit einem neuen Schulzentrum bebaut. „Vergleicht man die Situation mit dem dichtbebauten Hechtviertel sowie der Äußeren Neustadt, wo die historische Blockrandbebauung direkt an stark frequentierte Hochgleise angrenzt, so wird die Fadenscheinigkeit des Argumentes schnell deutlich“, so Sochor.

Alles in allem muss das Unternehmen Globus, will es sich in Dresden ansiedeln, nach Ansicht der Allianz für Dresden sein Geschäftsmodell stadtverträglich anpassen. „Verkaufsflächengrößen von zehn Aldi-Märkten mit entsprechendem Bedarf an Parkplätzen vor der Tür und großen Verkehrsachsen passen in keine Stadtlage“, betont Diego Schwarz, Leiter des Dresdner Kreisverbandes beim Bundesverband Mittelständische Wirtschaft (BVMW) und ebenfalls in der Allianz für Dresden aktiv. „Man kann nicht ein klassisches Grüne-Wiese-Modell in eine Stadt pflanzen. Das ist nicht nur städtebaulich und verkehrlich verantwortungslos, sondern schädigt sozusagen als Kollateralschaden auch nachhaltig den noch vorhandenen kleinteiligen Einzelhandel der jeweiligen Umgebung. Hier sind wir uns mit Baubürgermeister Schmidt-Lamontain völlig einig. Globus muss abspecken auf eine gerade noch so verträgliche Größe von etwa 4.000 m2 Verkaufsfläche. Auch mehrere Quartierversorger mit 800 m2 wären in Ordnung. Dass Globus dies kann, zeigt sein kleinteiliger Frida-Markt in Saarbrücken. Ein Aufhebungsbeschluss für das Monsterprojekt aufgrund der Einwendungen ist in jedem Fall überfällig.“

Internet: allianz-fuer-dresden.de   

Blog: allianzfuerdresden.wordpress.com 

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