Vom Ablasshandel in die Moderne: Höhepunkte zum Reformationsjahr in der Prignitz

Die Wunderblutkirche in Bad Wilsnack galt bis zur verspäteten Reformation in der Prignitz als wichtigstes Pilgerzentrum Nordeuropas – dann kam der fulminante Wandel

Der Wunderblutschrein in der Wunderblutkirche Bad Wilsnack. Bildquelle: Fotoarchiv Tourismusverband Prignitz e.V./Markus Tiemann.

In diesem Jahr feiert die Reformation ihr 500-jähriges Jubiläum. In der Prignitz setzte das zentrale Ereignis der europäischen Geschichte zwar deutlich verspätet ein, dafür aber mit umso größeren Folgen. Noch heute sind Spuren dieser turbulenten Zeit in den Kirchen und Städten der Prignitz zu finden. Zudem erinnern im Rahmen des Jubiläumsjahres zahlreiche Veranstaltungen an die Umwälzung des Glaubens und die damit verbundenen gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Auswirkungen.

Lange blieb die Prignitz streng katholisch, trotz Luthers Erfolgen im ganzen Land. Einer der Gründe war gewiss die Wunderblutkirche Sankt Nikolai im heutigen Bad Wilsnack. Denn als Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine berühmten 95 Thesen gegen den Missbrauch des Ablasses an die Wittenberger Schlosskirche schlug, war der Glaube an den Ablass vom Fegefeuer rund 150 Kilometer weiter nördlich in der Prignitz eine der wichtigsten Einnahmequellen: Die Wunderblutkirche galt als berühmtestes Pilgerziel Nordeuropas und wurde sogar als „Santiago des Nordens” bezeichnet. Der Legende zufolge wurden 1383 nach einem Brand der Kirche drei unversehrte Hostien gefunden, die Blutflecken aufwiesen. Schon bald ereigneten sich der weitere Wunder und mehrten den Ruf des „Heiligen Blutes“. So wurde beispielsweise von der Heilung kranker Menschen und der sofortigen Erblindung eines Ritters berichtet, der über die Wunderbluthostien spottete. Natürlich wurde er alsbald geheilt, als er versprach, das heilige Blut zu besuchen.

„Noch bis lange nach Beginn der Reformation wanderten jährlich hunderttausende Pilger nach Wilsnack, um Hilfe bei verschiedensten Gebrechen und Problemen zu erhalten. Zudem sollte die Wallfahrt das Fegefeuer verkürzen, denn je eine Meile Weg zur Wallfahrtskirche gab einen Tag Ablass, eine Umrundung sogar 42 Tage“, erläutert Mike Laskewitz, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Prignitz e. V. Mit der verspäteten Reformation der Prignitz und der Verbrennung der Hostien im Jahr 1552 durch Wilsnacks ersten protestantischen Prediger Joachim Ellefeld fand die Wallfahrt schließlich ein jähes Ende, und Wilsnack wurde wieder zum beschaulichen Städtchen.

Heute hat die Wunderblutkirche den Status eines Denkmals mit nationaler Bedeutung, und es geschehen wieder Wunder: „Die Geschichte der Wunderblutlegende wurde einst auf zwölf hölzernen Legendentafeln dargestellt, die seit etwa 1460 im Chor der Wunderblutkirche an der sogenannten Porlaube angebracht waren. Die Holzbilder galten als verschollen, wurden jedoch kürzlich auf einer Empore der Kirche wiederentdeckt“, berichtet Laskewitz. Anlässlich des Reformationsjahres führen die Kirchengemeinde Bad Wilsnack, der Förderverein Wunderblutkirche Bad Wilsnack e.V., die Kirchengemeinde Werben sowie das Klosterstift Heiligengrabe vom 14. Juli bis 1. November 2017 gemeinsam die Ausstellung „Sünde, Tod und Fegefeuer - Bildmedien vor und nach der Reformation“ in der Wunderblutkirche durch. „Für die Ausstellung werden derzeit die Legendentafeln restauriert und gesichert. Zudem wird die Porlaube mit Planen so visualisiert, dass dem Besucher ein spektakulärer Eindruck des früheren Innenraums der Kirche vermittelt wird“, so Laskewitz.

Anlässlich des Reformationsjahres ist insbesondere auch in der Stadt Perleberg viel geplant: „Der Roland in Perleberg ist ein profanes Denkmal und selbstbewusstes Zeichen städtischer Rechte und Freiheiten der einstigen reichen Hansestadt. Die Rückbesinnung auf die Bedeutung geschah in der Reformationszeit“, erläutert Laskewitz. Das Ausstellungs- und Veranstaltungsprojekt „Religionen – Reformation – Räume“, das am 9. Juli auf dem Kirchplatz in Perleberg eröffnet wird, führt anschaulich durch verschiedene Veranstaltungsorte zwischen St. Jakobi-Kirche, Klosterresten, Bürgerbauten, Judenhof und Museum am Mönchort, wo Glaubensfragen, Stadtkultur, Baustruktur und Stadtsanierung thematisiert werden. Zu den Veranstaltungshöhepunkten in Perleberg gehört zudem die Ausstellung „Ertragen können wir sie nicht - Martin Luther und die Juden“, die vom 18. Mai bis 20. Juni 2017 im Judenhof Luthers Verhältnis zu den Juden thematisiert. Und auch der Abschluss des Reformationsjahres findet mit dem Musical „Martin Luther“ am 31. Oktober 2017 in Perleberg statt. „Die Kinder der Christenlehregruppen aus dem gesamten evangelischen Kirchenkreis Prignitz erzählen in dem Musical in der St. Jacobi-Kirche Szenen aus dem Leben Martin Luthers. Mitreißende Melodien und Episoden aus dem Alltag des Reformators versetzen die Zuhörenden in die Zeit vor 500 Jahren. Noch einmal werden die Auseinandersetzungen und das Ringen des Reformators spürbar. Die Kinder werden begleitet von einem Projektchor und einer Band“, berichtet Laskewitz.

Weitere Infos sowie alle Veranstaltungen im Rahmen des Reformationsjahres stehen unter www.dieprignitz.de/index.php?id=697.

Weitere Infos: www.dieprignitz.de 

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